Ajouter un commentaire

Daniel Cohn-Bendit : „Wir brauchen eine von den nationalen Staatsbürgerschaften unabhängige europäische Unionsbürgerschaft.“

Recommander cet article

Interview mit „Dany“, dem Grünen-Chef im Europäischen Parlament.

Während Cohn-Bendit sich im Mai 2008, 40 Jahre nach der Pariser Mairevolution 1968, „zurück zu den Wurzeln“ besinnt hat, wollen die Euros diesen „alten Rucksacktouristen“ der Politik nun zu den europäischen Herausforderungen befragen. Der (Ko-)Vorsitzende der Fraktion der Grünen im Europäischen Parlament geht auf die Unionsbürgerschaft, die Politisierung des Europäischen Parlaments und die französische Ratspräsidentschaft ein. Für „Dany“ leidet die Europäische Union vor allem darunter, dass sie noch relativ jung ist – ein Problem, das nur überwunden werden kann, wenn es den nationalen sowie europäischen politischen Entscheidungsträgern gelingt, nicht „27 nationale Debatten“, sondern eine europäische Debatte in einer europäischen Öffentlichkeit zu schaffen, um eines Tages – wer weiß – eine Unionsbürgerschaft entstehen zu lassen, die unabhängig von den einzelnen nationalen Staatsbürgerschaften ist.


Die Euros : Guten Tag, Herr Cohn-Bendit. Im Juli 2008 nahmen Sie an einer Tagung in Lyon teil, die dieses Jahr die europäische Unionsbürgerschaft zum Thema hatte. Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach heute dieses Konzept der Unionsbürgerschaft und wie sehen seine konkreten Realisierungen aus ?

Zur Person

Daniel Cohn-Bendit (auch „Dany“ genannt) ist Abgeordneter der Grünen und seit 1994 Stadtrat in Frankfurt am Main. Ebenfalls seit 1994 ist er europäischer Abgeordneter (1994 und 1999 in Frankreich gewählt, 2004 in Deutschland). Seit 2004 ist er Ko-Vorsitzender der Fraktion der Grünen im Europäischen Parlament sowie Vizepräsident des Mouvement européen France.

Daniel Cohn-Bendit : Erstens hat der europäische politische Raum sich vergrößert. Wir haben jetzt einen Raum ohne Grenzen mit über 20 Staaten, und er wird immer größer. Der Schengen-Raum ist Wirklichkeit geworden. Wir sind heute also nicht mehr nur Staatsbürger einer Nation, die Freizügigkeit findet nicht innerhalb eines Staates, sondern eines viel größeren Raumes statt.

Zweitens ist jeder nationale Staatsbürger auch ein europäischer Unionsbürger. Wir haben also eine doppelte Staatsbürgerschaft und es gibt eine Vielzahl politischer Bereiche, die jetzt auf europäischer Ebene entschieden werden. Der Bürger ist also mit einem politischen Raum konfrontiert, und der wachsende politische Raum ist heute der europäische Raum.

Die Euros : 2009 finden die Wahlen zum Europäischen Parlament statt, ein sehr wichtiger Termin für Sie als europäischen Abgeordneten. Im Laufe der Jahre konnte man ein gewisses Desinteresse der europäischen Bürger an diesen Europawahlen beobachten. Wie kann man Ihrer Meinung nach durch die Europawahlen dieser Tendenz entgegenwirken und die Unionsbürgerschaft verwirklichen ?

Daniel Cohn-Bendit : Wir haben es hier mit zwei verschiedenen Dingen zu tun. Zunächst einmal eine allgemeine Politikverdrossenheit. Die europäischen Wahlen sind davon ebenfalls betroffen, weil es sich hierbei um den jüngsten, den neusten Bereich handelt. In einem Land wie Frankreich z. B. konzentrieren die Bürger sich auf die Präsidentschaftswahlen und sobald man eine Ebene tiefer geht, wird es zunehmend kompliziert. Auch bei den letzten Kommunalwahlen konnte man ein Desinteresse beobachten. Damals hieß es, das Desinteresse gegenüber Europa daher käme, dass Europa zu weit weg sei. Und wenn wir jetzt ein Desinteresse auf Kommunalebene haben, dann vielleicht weil diese Ebene zu nah ist.

Was wir den europäischen Bürgern klarmachen müssen, ist dass die Politik – sei es die Umweltpolitik oder sogar die Einwanderungspolitik – auf europäischer Ebene entschieden wird. Die Schwierigkeit besteht darin, eine europäische Öffentlichkeit zu schaffen, eine europäische öffentliche Debatte. Wir, die Grünen, waren z. B. dafür, dass ein Teil der Listen transnational ist und wollten damit für eine europäische Debatte sorgen statt 27 verschiedene nationale Debatten. Das große Problem der Europawahlen ist, dass sie in Deutschland zu deutsch-deutsch und in Frankreich zu französisch-französisch ablaufen, statt deutsch-europäisch oder französisch-europäisch. Die Menschen werden sich für Europa interessieren, wenn es uns gelingt, uns in einer europäischen Öffentlichkeit durchzusetzen.

Die Euros : Zurück zum Europäischen Parlament : Einige Experten meinen, das Desinteresse des Bürgers an Umweltfragen sei auf eine fehlende Politisierung des Europäischen Parlaments zurückzuführen – jedenfalls wenn man Politisierung im klassischen Sinne „Rechts – Links“ versteht.

Daniel Cohn-Bendit : Das glaube ich nicht, weil die Oppositionen auf europäischer Ebene komplexer sind. Für jeden einzelnen Gesetzesentwurf muss sich eine eigene Mehrheit finden, und das wird auch so bleiben. Das Problem ist, wie gesagt, die europäische Öffentlichkeit. Das ist etwas Neues. Es hat immerhin zwei Jahrhunderte gedauert, bis sich der Nationalstaat durchgesetzt hat, was nicht selbstverständlich war. Und heute versuchen wir seit ca. 50 Jahren, einen europäischen politischen Raum zu schaffen und somit die Herausbildung einer europäischen öffentlichen Meinung. Da stehen wir. Und ich glaube, dass das die Menschen zur Europawahl mobilisieren wird und nicht irgendein leicht karikaturistisches „Mehrheit-Oppositions-Spiel“ auf europäischer Ebene.

Die Euros : Zu guter letzt, Herr Cohn-Bendit, möchte ich Ihnen die Frage stellen, die wir allen Teilnehmern dieser Tagung stellen : Wie sieht die europäische Unionsbürgerschaft im Europa von morgen aus ?

Daniel Cohn-Bendit : Ich wünsche mir eine europäische Unionsbürgerschaft, die nicht an die nationale Staatsbürgerschaft gebunden ist. Dass man Unionsbürger sein kann… Das beträfe z.B. einen großen Bereich der Immigration aus Drittländern… Also eine Unionsbürgerschaft zu schaffen, die unabhängig von der nationalen Staatsbürgerschaft ist.


Recommander cet article
reagir   Imprimer   envoyer par mail   Auteurs
Aucun commentaire
ds Ajouter un commentaire
Demokratie und Menschenrechte
Ein kleiner Überblick zur Situation der Prostitutionspolitik in Europa.
Sind die Slutwalks nur ein (feministischer) Trend? Begegnung mit zwei ‚Schlampen’ in Deutschland und Frankreich.
Europäische Institutionen
Der neue Chef der Europäischen Zentralbank hat einen fast perfekten Lebenslauf.
‚Komitologie‘ – das klingt komplizierter, als es eigentlich ist. DIE EUROS puzzeln die einzelnen Elemente zusammen.

Auteurs

Pierre ROCA

Vice-président

Diplômé de l’Institut d’Etudes Politiques de Grenoble et du Collège d’Europe, Pierre vit au Danemark où il travaille pour une compagnie pharmaceutique danoise. Il a notamment été stagiaire auprès de Béatrice Patrie, députée socialiste française au (...)

traducteur

Anne LAMBERTS (Übersetzerin)

Pendant son enfance, Anne a vécu trois ans au Brésil où elle a appris sa première langue étrangère. Cette expérience a éveillé en elle l’enthousiasme pour les langues et les cultures étrangères et elle a appris également l’anglais, le français, l’espagnol (...)

Im Internet

Daniel Cohn-Bendit
Offizielle Webseite

Portal der Europäischen Union
Unionsbürgerschaft

Europa für Sie
Rechte und Informationen für Unionsbürger

Europa für Sie
Rechte und Informationen für Unionsbürger
Letzter Kommentar

Die Geschichte eines Staates Palästina ist viel früher anzusetzen als bei der Resolution der VN von 1947: Bereits der Völkerbund hatte die vorher von den Briten versprochene Entlassung der Araber in (...)

Donatus über „Die Geschichte wiederholt sich (...) | 21. Januar 2012, 16:42 (1)

Il parait que c’est même mieux que Dujardin, je ne sais pas ce que vous en pensez mais pourquoi on parle de poker dans le post précédent, et betclic alors, enfin une bonne (...)

Alice Moes über Sommer-Pause | 25. November 2011, 23:52 (2)

Frische Blumen zu schicken, ausland und Frankreich oder Deutschland Sehr wichtig Arikel, Max Frisch war nun rechts...

Martin Pallus über Deutsch-türkisches Anwerbeabkommen: (...) | 31. Oktober 2011, 16:36 (1)

Belle découverte littéraire, je ne connaissais pas cet auteur mais j’ai été agréablement surpris par son style, moments magiques qui projettent le lecteur dans l’univers décrit (surtout quand je ne joue (...)

Maxxy über Sommer-Pause | 20. Oktober 2011, 15:33 (2)

Vraiment Matériel satisfait, en vous souhaitant une bonne réussite. A Bientôt sur un nouveau billet bonus paris sportifs gagner de l’argent sur les blogs de site de paris licencier en france afin (...)

Santos über Die Beziehungen zwischen Europa und (...) | 15. Oktober 2011, 22:26 (1)

Frisch gezwitschert
Facebook

Neues Jahr, neue Vorsätze. Was steht auf deiner Liste? Wie wäre es mit ein wenig Engagement für ein junges, europäisches Projekt: Die Euros sind stets auf der Suche nach motivierten jungen Leuten, für die ‘Europa’ nicht nur ein abstrakter Begriff ist.

… als Autor/in

„Brüssel hat entschieden“, „die EU konnte sich nicht einigen“, „EU-Beamte verschwenden Steuergelder“... Wenn’s dir bei diesen Schlagzeilen in den Fingern kribbelt, Europa mal so richtig hinterleuchten, die Vorurteile zu verstehen und mit kritischen Blick aufzuarbeiten - und zwar so, dass es auch deine Freunde verstehen... Dann bewirb dich als ehrenamtlicher Autor bei den Euros!

Was muss ein/e Autor/in der Euros mitbringen?

-  Interesse und Ideen zu europäischen Themen - ob politisch, wirtschaftlich, historisch oder kulturell - und den Anreiz, diese Themen für ein breites Publikum mit Feinsinn und Kreativität aufzuarbeiten
-  Einen sicheren und verständlichen Schreibstil
-  Einen europäischen Traum

Was bieten dir die Euros?

Wir sind die einzige Webseite im deutschen Netz, die die EU kritisch, aber mit einem dynamischen und pädagogischen Anspruch angeht. Es erwarten dich ein multikulturelles und kreatives Team mit jahrelanger journalistischer Erfahrung aus allen Ecken Europas, eine Plattform für deine Ideen mit einer europaweiten Leserschaft, ehrliches Feedback, sowie Kontakte und Recherchehilfen direkt aus Brüssel.

… als Multimedia-Redakteur/in

Nicht umsonst sind wir ein Online-Magazin : ‘Online’, das bedeutet neue Möglichkeiten und neue Potentiale. Du bist im Bereich Radio-Journalismus tätig? Du weißt, wie man europäische Themen mit diesem Medium an den Mann und die Frau bringt? Dann werde Multimedia-Redakteur/in bei den Euros. Unser Ziel ist es, regelmäßig interessante und kurzweilige Podcasts anzubieten, die speziell für die Euros produziert wurden. 2012 startet unsere Podcast-Projekt ‘Welcome to the jungle’ – Thema ist der Brüsseler Demokratie-Dschungel und (unsinnige) EU-Direktiven. Um das Projekt weiter auszubauen brauchen wir dich!

… als Blogger/in

Du bist dynamisch, schreibst gerne und hast deine eigene Meinung zu europäischen Ereignissen – und die teilst du lieber durch kleine, regelmäßige Beiträge mit als in langen Analysen? Dann ist ein Eurosblog vielleicht das richtige für dich. Wir suchen junge Menschen aus ganz Europa, die etwas zu sagen und Lust haben, unser Netzwerk zu erweitern.

Was muss ein/e Blogger/in mitbringen ?

-  Dynamismus: Die Welt der Blogs ist schnelllebiger als unser Magazin; Blogger/innen können besser auf aktuelle Ereignisse reagieren.
-  Einen sicheren und verständlichen Schreibstil.
-  Eigenständigkeit: Anders als bei unseren Autoren können wir nicht jeden Blog-Artikel gegenlesen (obwohl wir die Blogs natürlich generell im Auge behalten). Souveränität im Umgang mit Themen, Sprache und technischen Gegebenheiten ist also notwendig.
-  Interesse an europäischen Ereignissen und an europäischer Politik.
-  Das gewisse Etwas: Wir suchen Blogger/innen, die wirklich Interessantes zu berichten haben. Ein Erasmus-Jahr in Spanien? Eine Anstellung in Brüssel? Eine Rundreise durch Europa? Als aktives Mitglied eines phänomenalen Projekts? Euch brauchen wir! Insbesondere Blogger/innen in europäischen Hauptstädten und den Regierungssitzen der EU (Brüssel, Straßburg, Luxemburg) sind willkommen.
-  Vor allem: Kreativität ! Europa ist dynamisch, Europa ist spannend. Und das gilt es, unseren Lesern zu zeigen.

… als Übersetzer/in

Sprachen sind deine Spezialität und du möchtest helfen, das babylonische Sprachgewirr zumindest ein wenig zu entzerren und unser Projekt voranzubringen? Dann werde Übersetzer/in bei den Euros! Mittlerweile gibt es fünf Sprachversionen, sodass du unter Italienisch, Französisch, Spanisch und Englisch wählen kannst. Jede Woche werden neue Artikel veröffentlicht – es gibt also (fast) immer was zu tun. Du kannst eigene Übersetzungsvorschläge machen, aber im Allgemeinen senden wir auch regelmäßig Vorschläge an alle Übersetzer/innen.

Professionnelle Übersetzer/innen sind ebenso willkommen wie Sprach-Fans, die eine der genannten Sprachen sehr gut beherrschen.

… als ‘Experte’

Für unsere Rubrik ‘Policy papers’ (‘Themenbögen’) suchen wir immer nach Beiträgen. Du hast eine spannende Hausarbeit über ein Europa-relevantes Thema geschrieben, hast dich eingelesen und bist zum ‘Experten’ geworden – und außer dir und deinem Prof hat die Arbeit wahrscheinlich keiner gelesen ? Bei den Euros hast du die Möglichkeit, solche Arbeiten als Policy paper zu veröffentlichen. Teile dein Wissen mit anderen Europäern und Europäerinnen!

Bewerbungen per Mail an unsere Chefredakteurin Julia : julia.korbik@die-euros.eu.

… als Mitglied der Community

Werde Teil unserer paneuropäischen Debatte! Wie das geht? Ganz einfach: Kommentiere unsere Artikel! Deine Meinung ist uns und unseren Autoren und Autorinnen wichtig. Bring dich ein, teile uns mit, was du denkst.

Öffne dich für Europa! Wir freuen uns auf dich.

Aktiv werden bei den Euros…

Politik
Wirtschaft
Gesellschaft & Medien
Nachhaltige Entwicklung
Innenpolitik
Außenpolitik
Institutionen & Brüssel
Deutschland
EU 27
Das andere Europa
Welt
© Groupe Euros du Village 2010 | Mentions légales | Webseite erstellt mit SPIP | Réalisation technique et design : Media Animation & Euros du Village France