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Die Top 10 der angesagtesten EU-Abgeordneten (1/2)

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Teil 1 : Platz zehn bis sechs

Sie sorgen für Gesprächsstoff - wegen ihres Aktionismus, ihrer polarisierenden und provokanten Äußerungen oder einfach aufgrund ihres ungewöhnlichen Profils. Ob absichtlich oder nicht : Sie stehen ganz vorne im Rampenlicht der europäischen Bühne. Die Euros präsentieren eine ungewöhnliche Auswahl der zehn angesagtesten EU-Abgeordneten dieser Legislaturperiode.


Trostpflaster“, „politisches Exil“, „Elefantenfriedhof“, „goldender Vorruhestand“, „Käfig der Faulheit“ : EU-Abgeordnete und das Europäische Parlament, die oft alles andere als bürgernah wahrgenommen werden, leiden in den meisten Mitgliedstaaten unter einem gewaltigen Mangel an Anerkennung. Während sich bei den Europawahlen 2009 weniger als 43 % der Wahlberechtigten zu den Urnen aufmachten, müssen die EU-Abgeordneten oftmals ihre Anstrengungen verdoppeln, um sich Gehör zu verschaffen und die Aufmerksamkeit der Medien zu gewinnen. Vom Listigen bis hin zum Workaholic - es folgen die Top 10 der angesagtesten EU-Abgeordneten des laufenden Mandats. Eine Auswahl, die zwangsläufig nicht ganz objektiv sein kann, aber dennoch die Vielfalt der Politiker, die sich auf dem europäischen Parkett tummeln, wiederspiegelt.

Platz 10 : Willy Meyer, König der Newsletter

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Willy Meyer

Spamt gerne die Postfächer seiner Newsletter-Abonnenten zu - und hat deswegen keine Zeit, passende Titel für seine Pressemitteilungen zu finden.

Quelle : http://www.willymeyer.es

Abonniere bloß nicht den Newsletter von Willy Meyer !“. Nahezu unisono hören wir dies von allen Kommunikationsbeauftragten der EU-Fraktionen. Böswilligkeit unter politischen Konkurrenten ? Keineswegs. Lediglich eine einfache Warnung, wenn man sein Postfach nicht schon bald wegen Überfüllung schließen möchte. Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht - es stimmt tatsächlich. In seiner „e-Wut“ scheint Willy Meyer nicht einmal Zeit zu haben, Titel für seine Pressemitteilungen zu finden, die er von seiner Internetseite aus urbi et orbi verteilt - er begnügt sich mit Hinweisen wie „Notiz zu Kuba“ oder „Notiz zum Generalstreik“.

Ein derartiger Nachname verleitet zu der Annahme, es handle sich hier um einen deutschen Abgeordneten - methodisch und unerschütterlich in seiner Arbeitswut. Wenn ihr euch da mal nicht täuscht : Der kommunistische EU-Abgeordnete stammt aus dem tiefsten Andalusien : Cadix. Vermutlich inspiriert von der stachanowistischen Tradition seiner ideologischen Familie, gehört Willy Meyer zu den aktivsten Politikern in Brüssel und Straßburg. Allein 2010 brachte er es auf stolze 53 Wortbeiträge und 159 parlamentarische Anfragen : Quasi keine Sitzung vergeht, ohne dass seine Stimme vernommen wurde. Damit macht er dem Spitznamen, den die Spanier vor der Finanz- und Währungskrise verpasst bekamen, alle Ehre : „Preuße des Südens“. Auch vor Ort zeigt Willy Meyer gerne Präsenz. So machte er neulich von sich reden, weil er aus der Westsahara ausgewiesen wurde, als er sich über die Auseinandersetzungen zwischen der marokkanischen Armee und der Sahraoui-Bevölkerung informieren wollte.

Wenn nur seine Fraktion (Konföderale Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke) sich ein Beispiel an diesem Aktionismus nehmen würde, wäre ihre Kommunikation - zweifellos die schwächste auf EU-Ebene - vielleicht ein bisschen wirkungsvoller.

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Traut ihr euch ... und abonniert Meyers Newsletter ?

Platz 9 : Rita Borsellino, Mutter Courage im Kampf gegen die Mafia

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Rita Borsellino

Legt sich unermüdlich mit der italienischen Mafia an.

Quelle : http://www.ritaborsellino.it

Ursprünglich war die Sizilianerin Rita Borsellino eine Dame ohne besondere politische Ambitionen mit einer Apotheke in ihrer Heimatstadt Palermo. Unterwarf sie sich regelmäßig dem traditionellen pizzo, der Schutzgelderpressung zur Finanzierung der Mafia ? Eine Frage, die sich heute nicht mehr stellt.

1992 veränderte ein tragisches Ereignis ihr Leben auf radikale Weise : Ihr Bruder, der Anti-Mafia-Richter Paolo Borsellino, kam nur zwei Monate nach dem Tod des Richters Falcone durch eine Autobombe der Mafia ebenfalls ums Leben. Zu diesem Zeitpunkt beschließt Rita Borsellino, die Fackel zu übernehmen und wird politisch aktiv. Sie gründet die Liberta, eine pazifistische Oppositionsbewegung gegen das organisierte Verbrechen in Italien. Sie will vor allem darauf aufmerksam machen, wie sehr die Demokratie unter dieser Art der Kriminalität leidet und prangert die Beziehungen zwischen Politik und Mafia an.

Mit 200 Unterstützungskomitees auf Sizilien und einer Aura der Unantastbarkeit kritisiert sie unermüdlich die enttäuschenden Aktionen des italienischen Ministerpräsidenten, seine Angriffe auf die Pressefreiheit sowie die Nähe zwischen sizilianischen Politikern und der Mafia. 2006 wurde sie mit Ihrer Kandidatur für den Vorsitz der Regionalkammer Siziliens zur ernsthaften Konkurrentin von Salvatore Cuffaro, dem Kandidaten der Koalition unter Silvio Berlusconi. Nachdem die Gerichte ihn der Mauschelei mit der Cosa Nostra bezichtigt hatten, musste er nur wenige Monate nach seiner Verurteilung den Vorsitz abgeben.

Für die Europawahlen 2009 überträgt die Demokratische Partei der damaligen Abgeordneten der Regionalkammer in Sizilien Listenplatz 1 der Kandidaten aus dem Süden. Im Alter von 65 Jahren kann sie so ihr Engagement auf EU-Ebene weiterführen. In Brüssel kämpft sie unentwegt gegen die Unterjochung ihrer italienischen Kollegen aus dem rechten Lager und der politischen Mitte durch Ministerpräsident Berlusconi. Ein besonderes Anliegen ist ihr dabei die Pressefreiheit. Auf der Suche nach gewichtigen Verbündeten in ihrem Kampf für Meinungsfreiheit kann sie sich heute der Unterstützung durch die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Viviane Reding, erfreuen.

Platz 8 : Guy Verhofstadt, der Oppositionelle mit der Vintage-Brille

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Guy Verhofstadt

Früher spießig-grauer Abgeordneter, heute Leader mit Brille im Retro-Look.

Quelle : Europäisches Parlament

Der ehemalige belgische Premierminister Guy Verhofstadt verdient vermutlich den Titel des konstruktivsten Oppositionellen gegenüber José Manuel Barroso und den beiden Kommissionen unter dessen Vorsitz. Im Kampf um den Vorsitz der Kommission mit dem Portugiesen wurde er 2009 nicht nur von seiner eigenen Fraktion, den Liberaldemokraten, unterstützt, sondern sogar von den Grünen und den Sozialisten.

Als Mann des Konsenses, glühender Verfechter des Dialogs und als solcher in Belgien anerkannt, wo er für die verlorene Kunst des Kompromisses steht, wurde er schon 2004 als Nachfolger von Romano Prodi an der Spitze der Kommission gehandelt. Insbesondere der damalige französische Staatspräsident Jacques Chirac und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder standen hinter ihm. Doch er scheiterte am Veto aus Britannien - er hatte sich gegen einen Krieg im Irak ausgesprochen.

Als Fraktionsvorsitzender der ALDE (Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa) im Europäischen Parlament setzt er heute alles daran, das politische Image seiner Fraktion, die immerhin drittstärkste Kraft ist, zu modernisieren. Mit 57 Jahren möchte vor allem als eines nicht gelten : altmodisch und überholt.

Da er gerne Distanz wahrt und das Bad in der Masse nicht gerade genießt, haben ihn böse Zungen als hochnäsigen Sargträger bezeichnet. Doch Verhofstadt, der graue Flame aus den Jahren 1990-2000, baut darauf, das Image eines dynamischen und angesagten Leaders zu pflegen. Eine kleine Diät, um ein paar Kilos zu verlieren, längere und geglättete Haare, eine Brille im Retro-Look, stets schwarzer Anzug mit Krawatte - schon ist die Metamorphose zur Ikone der Hippen und Angesagten auf dem europäischen Parkett abgeschlossen.

Der bekennende Tour de France-Fan und Radsportbegeisterte durchquert oft selbst auf dem Sattel Umbrien und die Toskana, wohin er sich regelmäßig zurückzieht, um wieder aufzutanken. Doch Verhofstadt ist auch bekannt für seine ausschweifende Feder und seinen großen Beitrag zur Debatte um Ideen für Europa. Seine letzten Werke Les Etats-Unis d’Europe (Die Vereinigten Staaten Europas) und Sortir de crise : Comment l’Europe peut sauver le monde (Wege aus der Krise : Wie Europa die Welt retten kann) wurden vielfach kommentiert. Auch in der Debatte um die nationale Identität oder um die französische Politik gegenüber den Roma scheute er sich nicht vor einer eindeutigen Stellungnahme und sorgte im Februar 2010 mit seiner Aussage in der französischen Tageszeitung Le Monde für Aufsehen, worin er - frei nach Shakespeare - klagte : Es ist etwas faul im Staate Frankreich.

Platz 7 : Debora Serracchiani, Hoffungsträgerin der italienischen Linken

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Debora Serracchiani

Wird « Amélie Poulain » Italiens nächste Premierministerin ?

Quelle : http://www.serracchiani.eu

Für manche ist Italien ein dekadentes Land, eine konservative Gesellschaft, die immer älter wird und von der Korruption verdorben ist, wo sich die Hoffnung auf Wandel in Luft aufgelöst hat. Ein Land wie seine Parteien - mit einer giftigen und schädlichen Atmosphäre.

Mitten aus diesem Sumpf erhebt sich bei den Europawahlen 2009 die feste Stimme einer zerbrechlich, ja beinahe naiv wirkenden Frau, einer Heidi der Appeninen. Die Jeanne d’Arc der italienischen Linken, wie man sie bereits nennt, hatte zunächst den Vorsitzenden ihrer eigenen demokratischen Partei (Partito Democratico) intern geschlagen. Bei den Regionalwahlen bekam sie dann mehr Stimmen als Silvio Berlusconi. Ihrem jugendlich-verschmitzten Charme verdankt die 39-jährige Anwältin ihren zweiten Spitznamen : Amélie Poulain der Politik. Mit dieser Aura, ihrem perlenden Lachen und ihrem Selbstbewusstsein hat sie möglicherweise die italienischen Familienväter bei ihrer Suche nach einer guten Partie für ihre Söhne um den Finger gewickelt.

Doch insbesondere ihre scharfen und gewagten Stellungnahmen bei ihren ersten politischen Gehversuchen in der Demokratischen Partei, die mangels echter Führungspersönlichkeit und aufgrund anhaltenden Wahlschlappen gegen den unermüdlichen Silvio Berlusconi in einer schweren Krise steckte, haben Italien aufhorchen lassen. In ihrer schonungslosen Rede im März 2009 auf dem Parteitag der Demokratischen Partei sparte sie nicht mit harscher Kritik an der Parteiführung und den Parteispitzen und prangerte die mangelnde Autorität des Generalsekretärs der Partei, Dario Francheschini, an. Die Rede wurde mit stehenden Ovationen aufgenommen, das dazugehörige Video gehört zu den meistbesuchten Seiten im Internet.

Seit ihrem Auftritt in Ballarò im Rahmen des Wahlkampfes bei den Europa-Wahlen 2009, einer Sendung des Senders Rai, an der man nicht vorbeikommt, hat sich das virale Marketing, auf das sie sich blendend versteht, sogar noch verstärkt. Genauso wie ihre Dialoge mit dem einflussreichsten Blogger Italiens, Beppe Grillo, einem bekannten Comedian, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Demokratische Partei von innen heraus zu revolutionieren. Kommunikation liegt ihr im Blut - ihre Internetseite ist so reichhaltig und informativ, dass man sie für eine geborene Journalistin halten könnte.

Momentan ist Serracchiani im Europäischen Parlament aktiv und passt den richtigen Augenblick ab, als Nachfolgerin von Silvio Berlusconi auf das nationale politische Parkett zurückzukehren. Damit könnte sie, an der Seite von Nichi Vendola, dem äußerst populären Präsidenten von Apulien und seit Januar 2010 designierten Kandidaten der Linken und der demokratischen Partei, eine Hoffnung für die Linken darzustellen.

Die Hoffnung auf einen Wandel ist nicht mehr aufzuhalten. Möglicherweise hat Italien bereits seine künftige Premierministerin.

Platz 6 : Elena Băsescu, die Paris Hilton des Parlaments

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Elena Băsescu

Inszeniert sich gerne in rumänischen Boulevard-Blättern und ist ganz Papas (brave) Tochter.

Quelle : Europäisches Parlament

Vor den letzten Europawahlen am 9. Juni 2009 hatte Elena Băsescu alles daran gesetzt, zu beweisen, dass sie nicht von Beruf Tochter des rumänischen Präsidenten Traïan Băsescu ist.

Mit viel Vitamin B wird sie Generalsekretärin der Jungen Liberalen Demokraten in Rumänien. Doch kurz vor Wahlkampfbeginn gibt sie diesen Posten auf. Für ihre magere politische Bilanz - bislang hatte sie eher ihre Karriere als Model vorangetrieben - musste sie viel Kritik einstecken. Weitere Angriffsfläche war ihre kaum vorhandene Berufserfahrung : Gerüchten zufolge hat die Schöne, von einem Praktikum im Europäischen Parlament abgesehen, keinen Abschluss vorzuweisen, auch wenn sie dies vehement bestreitet (ihrer Aussage nach hat sie Politikwissenschaften an der James Madison University in den Vereinigten Staaten studiert, ein Diplom lässt sich jedoch nicht auffinden, ebenso wenig wie ein Nachweis für einen Abschluss in Wirtschaft.) Sie tritt also aus Papas Partei aus und präsentiert sich bei den Wahlen als Parteilose. Sie will beweisen, dass sie mehr als nur ein attraktives Mitglied des Băsescu-Clans ist.

Und dann das Wunder : Sie erhält 4,22% der Wählerstimmen, gerade genug, um einen Sitz im Europäischen Parlament zu bekommen. DIE Gelegenheit schlechthin, ihrer Familie die eigene Unabhängigkeit zu beweisen - und das in einem Land, das nach den Regeln der Vetternwirtschaft funktioniert. Doch vergebens : Schon nach wenigen Tagen zeichnet sich ab, was alle Welt schon wusste. Papas Partei (PDL) erleidet bei den Europawahlen nicht nur eine Schlappe, sondern verliert gleichzeitig auch das Recht, den künftigen rumänischen EU-Kommissar vorzuschlagen, ein Privileg, das nun die Sozialisten genießen. Und das alles wegen eines lausigen Sitzes ? Die Lösung ? Erraten. Und hast du nicht gesehen, Papas Mädchen opfert ihre Unabhängigkeit, erhält einen Posten in der Partei und wird zur Schlüsselfigur im Kampf für Parteiinteressen.

Elena kann jetzt eine ruhige Kugel schieben. Sie hat ihren Sitz als EU-Abgeordnete, Papa hat seinen EU-Kommissar für Landwirtschaft - Davian Ciolos - und das rumänische Volk eine äußerst sichtbare Volksvertreterin, die wöchentlich in den Society-Sendungen und in der heimischen Yellow Press auftaucht.

Hier entlang zum 2. Teil der « Top 10 der angesagtesten Europaabgeordneten ».


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Susanne LITTERST (Übersetzerin)

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