Letzte Woche hat Stefano Sannino, der Generaldirektor für Erweiterung, fluchtartig ein Werbevideo zurückgezogen, welches junge Europäer dazu anregen sollte, positiv über die EU-Erweiterung zu denken.
Es ist schwer zu sagen, welcher Aspekt des Videos lächerlicher war.
Viele Zeitungen betonten die Rassenklischees im Zusammenhang mit den drei furchterregenden Männer, die die weiße Frau im Kill-Bill-mäßigen Turnanzug umzingeln. Dann war da die Tatsache, dass die Frau elf identische Versionen ihrer selbst herbeirief, um die Eindringlinge zu besiegen, die dann verschwanden, um Platz für die EU-Flagge zu machen. Was ist mit der alten Devise „Einheit in der Vielfalt“ (unity in diversity) passiert ? Wenn man schon dieses Konzept umsetzen musste, hätte die Frau nicht wenigstens eine Vielfalt an Menschen herbeirufen können, alle in verschiedenen gelben Outfits ? Man sollte nicht vergessen, dass die EU aus 27 Ländern besteht, jedes mit seinen eigenen Traditionen, Sprachen und Besonderheiten. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie alle das gleiche Outfit tragen würden… Und dann war da noch das Budget, für welches es vermutlich eine unendliche Nummer an besseren Verwendungsmöglichkeiten gegeben hätte, angesichts der öffentlichen Reaktion auf das Video.
Wir sind Redakteure einer ganzen Reihe von etablierten Online-Magazinen für junge Europäer. Wir – und unsere Leser – gehören zu der Altersgruppe, die anscheinend durch das Video angesprochen werden sollte. Wir „verstehen die Handlungen und Themen von Martial-Arts-Filmen und –Videospielen“, wie Stefano Sannino in seiner Verteidigung der Werbung sagte.
Wir finden das Video trotzdem peinlich. Abgesehen von der Tatsache, dass eine Menge (junger) Menschen das Video rassistisch fanden, stimmen auch so viele andere Sachen in dem Video nicht.
Wir sind peinlich berührt bei dem Gedanken daran, was junge Leute aus anderen Teilen der Welt wohl über Europa denken werden, wenn sie das Video sehen und wir sind peinlich berührt bei dem Gedanken daran, was farbige Europäer über ihren Heimatkontinenten denken, wenn sie es sehen. Es ist uns peinlich, dass Europa, eine Frau, als die Friedliche präsentiert wird, während die Männer böse und aggressiv sind.
Vor allem aber sind wir traurig sehen zu müssen, dass die EU auf Angstmacherei zurückgreift, um Werbung für die Erweiterung zu machen. Das Video impliziert, dass Europa von außen bedroht wird und dass wir uns zusammentun müssen, um Angriffe abzuwehren. Das reflektiert nicht das Bild eines vereinten Europas, welches aus den Ideen unserer Autoren und Leser hervorgeht : ein Europa, welches offen für alle Arten von Kulturen und Debatten ist und ein Europa, welches zur Selbstkritik und zu der Erkenntnis fähig ist, dass viele seiner Probleme von innen kommen (und seltsamerweise nicht von einem freischwebenden, indianischen Typen).
Ja, die EU sollte die Möglichkeiten der Werbung nutzen, um junge Menschen zu erreichen – und zwar Menschen, die alle unterschiedliche Ansichten zu Erweiterung und Integration haben. Ja, es sollte in der Umsetzung erfindungsreich und provokativ sein – wir haben keine Lust, immer wieder die gleichen langweiligen Slogans zu hören. Aber wir würden wirklich gerne einen Film über ein Europa sehen, das sich selbst konstruktiv kritisieren kann, ein Europa kreativer Vielfalt, im Gegenteil zu einer eintönigen Homogenität, ein Europa mit einer gemeinsamen Mentalität statt mit gemeinsamen Feinden. Das ist das Europa, über das wir reden und welches wir in unseren Magazinen repräsentieren – und das ist das Europa, in dem wir leben wollen.
Julia Korbik für die deutsche Sprachversion von Die Euros
Jane Rawlinson für die englische Sprachversion von Die Euros (The Euros)
Lucy Duggan für Europe&Me


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