Viviane Reding, luxemburgische EU-Kommissarin und zuständig für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft, hat keine Angst vor Auseinandersetzungen : „Ich hatte gedacht, dass Europa nach dem zweiten Weltkrieg nicht noch einmal Zeuge eines solchen Geschehens würde“, schleuderte sie Ende September in Richtung französische Regierung. Die hatte im Sommer begonnen, mehrere tausend Roma aus Frankreich abzuschieben - und verstößt damit gegen geltendes EU-Recht, denn laut einem im Élysée-Palast zirkulierenden Papier konzentrieren sich die Maßnahmen auf das Volk der Roma. Diese werden somit aufgrund ihrer Ethnie diskriminiert.
Ungeheuerlich fand Viviane Reding das und musste sich vorwerfen lassen, die Abschiebung der Roma mit der Roma-Deportation während des Zweiten Weltkriegs zu vergleichen. Nicolas Sarkozy schmollte, aber auch andere Staats-und Regierungsoberhäupter kritisierten den Vorstoß Redings als unangemessen. Eine halbherzige Entschuldigung der Luxemburgerin folgte. Okay, die Wortwahl war auf jeden Fall unangemessen. Aber ansonsten : Was ist schlimm an einem Politiker bzw. einer Politikerin, der oder die sich ehrlich empört und auf die Missachtung von EU-Verträgen hinweist ?
Sie hätte das Gefühl, so Reding, die Reaktionen auf ihre Äußerung wären anders ausgefallen, wenn sie ein Mann gewesen wäre. Wenn Männer mit der Faust auf den Tisch schlügen, gelte dies als männlich, bei Frauen spräche man von Hysterie. Erst der Streit mit Frankreichs Regierung, jetzt Geschlechterdiskriminierung in der EU : Es bleibt zu hoffen, dass Viviane Reding sich weiter mit so viel Elan einsetzt. Ihr rotes Jackett, das manche als „aggressiv“ empfanden, darf sie dabei ruhig anbehalten.
Artikellogo : Audiovisueller Service der Europäischen Kommission


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